Im Folgenden wird der Gang der Geschichte der Familienbildung unter der Frage
"Seit wann und wie entwickelt sich Familienbildung?"
bis Ende der 80er Jahre dargestellt.
| 1826–1917 | Gründerzeit – Zeit der bürgerlichen Romantik in der Erziehung und sich entwickelnden Frauenbewegung |
| 1917–1936 | Erste Mütterschulbewegung |
| 1936–1945 | Die Zeit des Gespaltensein in der Mütterbildungsarbeit |
| 1945–1957 | Zweite Mütterschulbewegung |
| 1957–1970 | Die Zeit des Streitens - von der Mutter zur Familie; Erwachsenenbildung, Familienbildungsstätten |
| 1970–Ende der 80er | "Goldenen Jahre der Familienbildung" – theoretische Fundierung und Strukturierung |
Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten
auf Bundesebene
| Im frühen 19. Jahrhundert richtet sich Friedrich W. A. Fröbel
mit seinem Hauptwerk "Die Menschenerziehung" (auch "Erziehungsbuch"
genannt) nicht nur an Lehrer und Erzieher, sondern ganz zentral an Mütter
und Väter. Er spricht "Eltern" und "Umgebung" an,
wenn er Grundsätzliches zur Erziehung und Bildung des Kindes (losgelöst
von der Berufs- und Standesbildung) erläutert. In dem folgenden Beispiel wird deutlich, dass sich schon Fröbel (1826) mit seinen "Unterrichtungen" an die Eltern- und "Umgebung"sbildung richtet. |
1826 |
| … Unruhe, Schmerz und Weinen bezeichnen in ihrem ersten
Erscheinen alles das, was der Entwicklung des Menschen als Kind entgegen
ist; auch an sie muß auf nachgehende aber entgegengesetzte, auf entfernende
Weise die Erziehung ihr Wirken anknüpfen; es muß gestrebt und sich bemüht
werden, den Grund, die Gründe davon aufzufinden und sie zu entfernen.
In den allerersten, aber fast auch nur in den allerersten Erscheinungen
des Weinens, der Unruhe, des Schreiens ist dem Kinde aller Eigensinn und
Eigenwille gewiß fremd; aber er keimt so frühe, sobald als nur dem kleinen
Wesen, … 'ein Fühlen kommt, dass es mit Willkür oder aus Unachtsamkeit
oder Trägheit dem überlassen bleibe, was ihm Unruhe und Schmerz macht
und bringt. Ist nun dem Kinde dieses unglücksselige Gefühl gleichsam eingeimpft,
so ist es auch der Eigensinn, der erste und hässlichste aller Fehler,
erzeugt, ja schon geboren der Fehler, der das Kind und die Umgebung zu
vernichten droht, … . Haben … Eltern und Umgebung in sich die feste und
sichere Überzeugung, daß dem weinenden, unruhigen Kinde das gereicht worden,
was ihm jetzt Bedürfnis sein kann, daß alles entfernt worden, was seinem
Zustande jetzt nachteilig ist und sein kann: so können nicht allein, ja
so sollen Eltern und Umgebung das weinende, unruhige, ja schreiende Kind
ruhig und still sich selbst überlassen, ruhig ihm Zeit geben, sich selbst
zu finden. (Fröbel, F. W. A., 1982, Bd. 2, S. 25) |
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Fröbel bezieht die Eltern und das soziale Umfeld ("Umgebung") in seine "Volksschulpädagogik" bereits mit ein. Er veröffentlicht seine Erkenntnisse, Methoden und Didaktik für Eltern und andere Erziehende in einem Wochenblatt "Die erziehende Familie – Wochenblatt für die Selbstbildung und die Bildung Anderer". Schon Fröbel formuliert, dass Erziehung und Bildung junger Menschen nicht ohne die Familie erfolgreich ist. |
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| Will der Erzieher mit wahrem Glück in einer Familie
wirken, so müssen Eltern und Kinder ein Ganzes, eine Einheit bilden, findet
dieses mehr oder weniger nicht statt, so muß sein allererstes Bestreben
sein, jene Einheit, jenes Ganze, jene Gesamtheit darzustellen, … . (Fröbel, F. W. A. In: Schuffenhauer, H., 1982, S. 17) |
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Fröbels Anschauungen, Einsichten und Erkenntnisse können nicht losgelöst von der gesellschaftlich-politischen Entwicklung der Zeit, in der er lebte, gesehen werden. Es ist die Zeit der ersten Industrialisierung. Nicht nur auf dem Land, auch in der Stadt gehen mehr und mehr Mütter einer beruflichen Tätigkeit nach. Die Zeit für die Kindererziehung und -bildung ist stark eingeschränkt, kaum noch vorhanden. Ein Bildungssystem für Kinder aus Arbeiterfamilien gibt es noch nicht. Rudolf Pettinger schreibt: |
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| Wenn heute im Blick auf das seit 1991 geltende Kinder-
und Jugendhilfegesetz von der Familienbildung als Aufgabe der Jugendhilfe
gesprochen und in Verankerung durch die Jugendhilfeplanung gefördert wird,
wird meist vergessen, dass die sozialpädagogische Tradition von Familien-
bzw. Mütterbildung sehr viel weiter, nämlich bis zu den Anfängen der Industrialisierung
in Deutschland, zurückreicht. Hinzuweisen ist hier besonders auf Friedrich Fröbel, der uns zwar als "Vater" des heutigen Kindergartens gilt, weniger bekannt ist aber seine Rolle für die Mütterbildung: die von ihm ganzheitlich verstandene Erziehung der Kinder, die Bewahrung der Kinder der arbeitenden Bevölkerung vor Verwahrlosung, schloss immer auch die Mütter, das Bemühen um ihre bessere Bildung, ein. Kennzeichnend für diese Anfangsetappe der Mütterbildung war ihre starke Funktionalisierung für die Kindererziehung: ihre Aufgabe sah sie ganz in der Verbesserung der Kindererziehung. (Pettinger, Rudolf, 1995, S. 41) |
Anfangsetappe |
Dazu nochmals ein Textbeispiel aus Friedrich Fröbels Feder: |
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| Wie teilt zuerst der Knabe und das Mädchen so innig
gern die Arbeiten des Vaters und der Mutter, nicht die spielenden und
leichten, nein, nein die anstrengenden, Kraft und Mühe erfordernden möchte
es mit den Eltern teilen. Hier seid achtsam; hier seid sorgsam und sinnig,
Ihr Eltern! Ihr könnt hier mit einem Male den Tätigkeits- und Bildungstrieb
eurer Kinder wenigstens für lange vernichten, wenn ihr die Hilfe eurer
Kinder als kindisch, als unnütz, wenig fruchtend, ja vielleicht gar als
hindernd und hemmend zurückweiset. Laßt euch durch den Drang der Geschichte
ja nicht verleiten; hütet euch ja zu sagen: "Geh hinweg! du hinderst
mich nur!" oder: "Ich muß eilen, laß es mich geschwind allein
machen!" Der Knabe, das Mädchen werden so in ihrer inneren Tätigkeit
gestört, sie sehen sich aus dem Ganzen, mit welchem sie sich innig eins
fühlen, herausgesetzt, … . Kaum drei mal darf jene Zurückweisung von den
Eltern geschehen, und das Kind wird sich nicht wieder zu einer Hilfe,
zur Teilung einer Arbeit melden. …Seht, Eltern! der erste Tätigkeits-, der erste Bildungstrieb kommt aus dem Menschen, dem Wesen des in ihm noch unbewußt, unerkannt wirkenden Geistes gemäß … . (Fröbel, F. W. A., 1982, Bd. 2, S. 61) |
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Friedrich Fröbel spricht die Eltern ganz direkt in ihrem Alltags(er)leben an. Rudolf Pettinger führt weiter aus: |
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| Der Einfluss Fröbels auf die Entwicklung der Mütterbildung
ist auch in der Folgezeit erhalten geblieben, weil viele der leitenden
Frauen der Mütterschulen-Bewegung aus der Fröbelschen Tradition der Kindererzieherinnen
kamen (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989). Eine Ausweitung dieser Perspektive erfährt die Mütterbildung durch die verschiedenen Frauenbewegungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Entfaltung der industriellen Lebensformen, die Urbanisierung mit ihren Auflösungstendenzen für großfamiliäre Lebensformen und die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit, führte zu Versuchen der gesellschaftlichen Emanzipationserziehung durch Familienbildungsvereine und Mütterschulen, in denen die Situation der Frauen und Mütter einen eigenen Stellenwert erhielt. …… lange Zeit weist das Programm der Mütterschulen einen traditionellen Zuschnitt auf: es sind dies vor allem praktische Kurse für die Haushaltsführung, für Ehe- und Familienfragen und Erziehungskurse. (Pettinger, Rudolf, 1995, S.42) |
19. Jahrhundert Kindergarten und Mütterbildung |
Doch noch einmal zurück zu Fröbel und seinem Denken und Handeln um die Idee des "Kindergartens". Hildegard Schymroch, die 1989 die "bislang am sorgfältigsten erforschte Geschichte der Familienbildungsstätten vorlegte" (Narowski, Claus, 1991, S. 34), schreibt u.a. zu den ideengeschichtlichen Wurzeln der Mütterschule. |
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| Fröbel, Romantiker und Schüler von Johann Heinrich
Pestalozzi (1746–1827), entwickelt mit seiner Kindergartenidee einen Ansatz,
der die zu Beginn der Industrialisierung in weiten Teilen Europas entstehenden
öffentlichen Einrichtungen zur Kleinkinderbetreuung (Kleinkinderschulen,
Beschäftigungsanstalten und Bewahranstalten; Erninger, 1976; Erninger
u.a., 1987) konzeptionell weiterführt. Er strebt eine ganzheitliche Erziehung
des Menschen an, die leibliche, die seelische und die geistige. Deutlich
erkennt er, daß die Erziehung des Kleinkindes die Grundlage für die Erziehung
des Menschen sowie der Menschheit ist. … Er will 'keineswegs die Familien
von der Pflicht der sorgsamen Kinderpflege entbinden, sondern zur Erfüllung
derselben ihnen vielmehr behilflich sein … , und … noch weniger die Kinder
den Familien entfremden, im Gegenteil ein einiges echt deutsches Familienleben
hervorfördern beabsichtigen'. (Hoffmann, 1964, S. 113) … Insofern der Kindergarten als Bildungsstätte für Frauen und Mütter gedacht ist, berücksichtigt er folgende Funktionen: (a) Anleitung von Müttern in der richtigen Kindererziehung; (c) Ausbildungsstätte für Kinderpflegerinnen. Der Gedanke der Mütterbildung weist bei Fröbel zwei Perspektiven auf: einmal die Mütter im Spiel des Kindes anzuleiten durch Anschauung und Selbsttun und ihnen damit zu ermöglichen, in das Wesen des Kindes hineinzufinden, zum anderen das Muttertum und das weibliche Wesen in seiner geistigen Haltung zu stärken. 'Wenn es uns nicht möglich ist, den weiblichen und mütterlichen Sinn für Menschenwürde und -pflege zu wecken und zum Bewußtsein zu erheben, so kommen wir auch mit der echten Kinderpflege und mit der wahren Menschenerziehung nicht weiter.' (Pösche, 1887, S. 90) (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 13ff.) |
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| Das Verständnis von Mütterlichkeit, das seinen Ausgangspunkt
im romantischen Gedankengut hat, … findet seine Fortsetzung in der Frauenbewegung.
… Jede Frau wird als Mutter betrachtet. Auch in der Volksbildungsbewegung
findet es seinen Niederschlag. Der Volksbildungsverein der katholisch-sozialen
Richtung, der 'Volksverein für das katholische Deutschland' mit Sitz in
Mönchen-Gladbach, widmet sich neben der Pflege des katholischen Kulturgutes
und -bewußtseins insbesondere der Arbeiter- und Bauernfrage. Einer der
bedeutensten Volksbildner, Anton Heinen (1869–1934) widmet sich insbesondere
der Mütterlichkeitspflege. … In seinen Schriften "Mütterlichkeit",
"Von Mutterleid und Mutterfreud", "Die Familie" und
vielen anderen wendet er sich vor allem an Mütter, Frauen und Mädchen.
Auch in seinen verschiedenen methodischen Ansätzen von Arbeitskreisen
und Nachbarschaftshilfen zielt er auf die weibliche Bevölkerung ab. Die
Familie ist ihm das Sinnbild der Arbeitsgemeinschaft. Es geht ihm um das
Wiedererstarken der Familie und das richtige Erziehungsverhalten. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 18) |
Das Verständnis von Mütterlichkeit Volksbildungs- bewegung (Anton Heinen 1869–1934) Arbeitskreise und Nachbarschaftshilfen |
| Erziehungs-, Frauen- und Kindergartenvereine verbreiten
in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Friedrich Fröbels Konzept des Kindergartens.
Eine Reihe von Vereinen fungieren als Träger von Kindergärten. Viele Frauen,
die in diesen Vereinen mitwirken, besonders aus bürgerlichen Kreisen,
drängen zur Bildung und außerhäusiger Tätigkeit und sind auch in der Frauenbewegung
aktiv. … vor dem Hintergrund der Industrialisierung und der Verstädterung
der Lebensweisen … (ist) eine verstärkte Hinwendung zur Mädchen- und Frauenbildung
und zur Berufstätigkeit der Frau festzustellen. … Die Emanzipationsbestrebungen,
zurückgehend auf die Aufklärung, sind nun verwoben mit den Bestrebungen
des Deutschen Idealismus und der Romantik, durch die allgemeine Menschenbildung
für die Gesamtheit zu wirken. Der Gedanke der Mütterlichkeit … wird gesellschaftlich
erweitert und fortgeführt durch die Frauenbewegung (vgl. Zahn-Harnack,
1928; Tornieporth, 1979). … Die biologische Mutterschaft erfährt eine
Erweiterung ins Seelisch-Geistige, … Mütterlichkeit wird als 'Prinzip
aller Frauenarbeit' (Zahn-Harnack, 1928, S. 77) verstanden: 'Gestaltete und gestaltende Mütterlichkeit ist die letzte Triebfeder, die die Frauen nicht nur in die Krippe, Kindergärten und Schulen sendet, sondern auch in die Ministerien und die Parlamente.' (Zahn-Harnack, 1928, S. 77) (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 15ff.) |
Frauenbewegung und Mütterschulen (Jahrhundertwende) Mutterschaft erfährt eine Erweiterung |
Wegweisende Frauen:
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Wegweisende Frauen |
| Das "Jahrhundert des Kindes" (Key, 1900)
lenkt in vielfältigen Richtungen der Reformpädagogik (vgl. Scheibe, 1974)
den Blick auf das Kind. Diese "pädagogische Bewegung vom Kind aus",
… ist einerseits eine Weiterführung der romantischen Pädagogik, die erstmals
die Hinwendung zur frühen Kindheit hervorhebt, zum anderen aber auch eine
neue Entwicklung aufkommender Wissenschaften "Kinderheilkunde"
(vgl. Neumann, 1987) und "Kinderpsychologie" (Preyer, 1882;
Stern, 1914; Bühler, 1918). Damit wird auch der Familienerziehung eine
neue Dimension eröffnet. Sie kann nicht lediglich in Tradition weitergeführt
werden, sondern sie muß die neuen Kenntnisse der verschiedenen Wissenschaften
mit einbeziehen. Dies bedeutet Information und Unterweisung der Eltern. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 18) |
die neuen Kenntnisse der verschiedenen Wissenschaften |
| Luise Lampert absolvierte ihre Ausbildungen am Berliner
Pestalozzi-Fröbel-Haus unter Leitung von Henriette Schrader-Breymann und
bei Maria Montessori zur Montessori-Pädagogik. |
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| 1917 gründete Luise Lampert in Stuttgart die erste Mütterschule in Deutschland. Hohe Säuglingssterblichkeit, schlechte Wohn- und Arbeitsverhältnisse, unzureichende Ernährung und mangelnde Hygiene kennzeichneten damals das Leben der arbeitenden Bevölkerung – Intention für die bürgerlich-liberale und jüdische Frauenbewegung, sich aktiv und engagiert hier einzusetzen und Abhilfe zu schaffen. Mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement verfolgten sie nicht nur uneigennützige Ziele. Sie wollten neben einer Verbesserung der Lebens- und Bildungssituation von Familien auch Berufsfelder für Frauen im sozialpädagogischen Bereich schaffen und somit Berufstätigkeit von Frauen etablieren. (www.sozialnetz.de) | 1917 gründete Luise Lampert in Stuttgart
die erste Mütterschule |
| In ihr (Mütterschule) sollten Mütter auf ihre Mutteraufgabe
vorbereitet werden durch die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten,
die zur Pflege und Gesunderhaltung der Kinder notwendig waren. In der
Weimarer Republik entstanden bis 1933 sehr bald in ganz Deutschland weitere
37 Mütterschulen. … Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit der Mütterschulen
(lag) in der Entstehungsphase auf "Kursen mit Themen zu Schwangerschaft,
Geburt, Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern" … .
Praktische Kurse wie Kochen oder Nähen seien erst nach 1933 aufgenommen
worden. (Narowski, Claus, 1991, S. 34) |
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Ein erklärtes Ziel der Stuttgarter Mütterschule war |
erklärtes Ziel der Stuttgarter Mütterschule |
| … die Wiederherstellung der "natürlichen Mütterlichkeit
der Frau als Dienst am Volk". Die Mütterbildung beinhaltete insofern
staatsbürgerliche Bildung, als der Frau eine eigenverantwortliche Stellung
für Volk und Volksgemeinschaft zugeschrieben wird. Die von Luise Lampert
formulierte Aufgabe der Mütterschule verdeutlicht dies: ’Mutter sein ist ein so ungemein hoher Begriff, weil der Inhalt die Menschenbildung ist in körperlicher und geistig-seelischer Beziehung, weil zu seiner Erfüllung körperliche, geistige und seelische Arbeit notwendig ist, weil die Aufgabe vom ganzen Menschen geleistet werden muß und einen ganzen Menschen durch die größte Zeit seines Lebens hindurch fordert. Die Frau für diese umfassende Aufgabe zu gewinnen, vorzubilden und anzuleiten, ist die Aufgabe der Mütterschulung.’ (Lampert, 1934, S. 23) (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 23) |
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1936 geht die Stuttgarter Mütterschule |
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| – wie auch andere Organisationen – in das Deutsche
Frauenwerk, Abteilung Mütterdienst, über. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 25) |
das Deutsche Frauenwerk |
| Da jedoch die Mütterschulung prinzipiell als kulturelle,
nicht als rein fürsorgliche Maßnahme zu betrachten ist und sich das Bestreben
geltend macht, an organisch Gewachsenem anzuknüpfen, die Arbeit planmäßig
zu verteilen, die eingeschulten Kräfte in erster Linie arbeiten zu lassen,
so ergab sich die Forderung nach enger Zusammenarbeit mit der NS-Frauenschaft,
allen parteiamtlichen Stellen und den Einrichtungen der öffentlichen und
freien Wohlfahrtspflege. Durch Erlaß des Amtes für Wohlfahrt bei der obersten
Leitung der PO wird deshalb zur Abgrenzung der beiderseitigen Aufgabengebiete
verfügt, daß die Mütterschulung von der 'Reichsstelle des Deutschen Frauenwerks'
in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen für Bevölkerungspolitik
und Rassenpflege verantwortlich getragen werde und die NSV keine selbständige
Schulungsarbeit leiste, sondern lediglich ihre Fachkräfte für die Durchführung
von Einzelaufgaben zur Verfügung stelle. (Rahner, 1936, S. 86. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 47) |
Folgende Verbände bilden in den Anfängen die "Reichsarbeitsgemeinschaft
für Mütterschulen":
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Reichsarbeits- gemeinschaft für Mütterschulen |
| Während dem Mann von Natur aus die Aufgabe zufällt,
vorwiegend draußen im Leben zu schaffen, soll die Frau der Mittelpunkt
und die Seele der Familie sein. Die Größe der Aufgabe, die sie an dieser
Stelle zu erfüllen hat, ergibt sich aus der Bedeutung der Familie für
das Volksleben, dessen Keimzelle sie ist und dessen Bestand sie für die
Ewigkeit sichern soll. Unter diesem Gesichtspunkt erhält alle hauswirtschaftliche
Arbeit, die für die Familie geleistet werden muß, ihren eigentlichen Sinn
und ihre hohe Bedeutung. (Weiner, Hildegard, 1934, S. 6) |
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| … Das Ehestandsdarlehen ist zu dieser Zeit gekoppelt
an den Besuch von Mütterschulungskursen, die die jungen Frauen zu absolvieren
haben (vgl. Lampert 1934 a, S. 199f.). Die Kurse gleichen zum Teil dem
Programm der Mütterschulen und werden auch teilweise dort durchgeführt.
… 'Träger des einzelnen Mütterschulungskurses ist die Arbeitsgemeinschaft' (§ 2 Abs. 4 der Richtlinie) … |
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| Die konfessionelle Mütterbildungsarbeit wird … auf
eine kirchlich und katechetische Bildungsarbeit reduziert (vgl. Nopitsch, 1970, S. 85f.) … |
konfessionelle Mütterbildungsarbeit |
| Hermann Klens erwähnt in seinen Erinnerungen … :'Besonders
in der nationalsozialistischen Zeit, als den Vereinen die Möglichkeit
zu 'weltlichen' Tätigkeiten entzogen war, brach ein Zug der Verinnerlichung
im Glauben auf, der sich auf Liturgie und die Bibel konzentrierte.' (Klens, Hermann, 1978, S. 117) |
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| Mütterschulung wird außer in der Institution "Mütterschule"
auch in der Form von Mütterschulungskursen (meist Wanderkurse) und in
der Müttererholung durchgeführt (§ 4). … Was Karl-Heinz Dickopp ganz allgemein für die Pädagogik zum Ausdruck bringt, gilt in gleicher Weise auch für die Mütterschulung: 'Diese Epoche prägte das Bewußtsein und gestaltete das Handeln nicht durch eine Neuschöpfung von Ideen und Inhalten, sondern durch eine neue Verhältnissetzung. Die Elemente der NS-Pädagogik waren weder neu noch grundsätzlich fragwürdig.' (Dickopp, Karl-Heinz, 1971, S. 147) (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 47ff.) |
Pädagogik |
| Nach 1945 war … eine Erneuerung der Mütterschulen
erforderlich. Diese "zweite Mütterschulbewegung" nahm ihren
Ausgangspunkt sowohl in der materiellen als auch in der seelischen Notsituation
der Frauen. Daher erschien die Arbeit der Mütterschulen in der ersten
Nachkriegszeit mehr der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik als der Erwachsenenbildung
zugeordnet. Selma Hohagen, die Leiterin der Wuppertaler Mütterschulen
beschrieb die Aufgaben der neuen Mütterschulen 1951 mit den Worten: 'Vermitteln
hausfraulicher und mütterlicher Kenntnisse, Schaffung fraulicher Gemeinschaften
und Bilden einer Stätte der Besinnung und des Weckens innerer Kräfte.'
(vgl. Schymroch, Hildegard, 1989, S. 58). |
„zweite Mütterschulbewegung“ (ab 1945) |
| Dort, wo Mütterschulen schon vor 1945 bestanden haben,
ist – nach mündlicher Aussage von Gertrud Kleber (1977) – zumeist der
Wunsch vorhanden, sie weiterzuführen. Man will dort wieder beginnen, wo
man beim Zusammenbruch des "Dritten Reiches" aufhören mußte. Ein weiterer Beweggrund der Wieder- und Neuerrichtung von Mütterschulen ist, den Frauen in ihrer Not zu helfen. Hier kommt ein fürsorgliches Element zum Tragen, wie es von Selma Hohagen (Leiterin der Wuppertaler Mütterschule; …) und Lotte Geppert (1883–1968, Leiterin der Münchner Mütterschule) vertreten wird, während Luise Lampert, Gertrud Kleber und andere stärker den Bildungsgedanken in den Vordergrund der Aufgabe der Mütterschule stellen. … Die Bildungshilfen für Mütter und/oder Eltern richten sich ganz auf das Kind aus und haben einen prophylaktischen und kompensatorischen Charakter. In vielen Fällen stellen die Mütterschulen konkrete Hilfe für alltägliche Hilfe bereit. Der 'Nothilfecharakter' von sozialpädagogischen Einrichtungen (Wilhelm, Theodor, 1977, S. 556) prägt jetzt auch die Arbeit mancher Mütterschulen. Erst als sich in den 50er Jahren im Zusammenhang mit der Besserung der allgemeinen Lebensverhältnisse das Verständnis von Sozialarbeit und -pädagogik wandelt, und zwar von der Fremdhilfe zur Selbsthilfe, von der Armenfürsorge zur Sozialarbeit, von der Notstands- und Hilfspädagogik zur Sozialpädagogik, verändert auch die Mütterschule ihre konzeptionelle Grundlage mit Auswirkungen auf die Praxis, was sich besonders in der methodischen Gestaltung niederschlägt. Auf der Tagung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" im Jahr 1956 werden die Aufgaben der Mütterschulen wie folgt dargestellt: 'Die Mütterschulen so auszubauen, daß sie Abbild und Ausdruck guten Familienlebens sind. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben.' (Lück, Conradine, 1956, S. 156) Die wesentliche Aufgabe ist, daß die Mütterschulen einen 'Heimcharakter' im Sinne von Familie ausstrahlen. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 57ff.) |
von der Fremdhilfe zur Selbsthilfe |
Die Frau gilt in den 50er Jahren als "Herzstück", als Mittelpunkt und Hauptgestalt der Familie. Da durch ihre Berufstätigkeit die zentrierenden Fähigkeiten als Heimgestalterin bedroht werden, |
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| … wird die Mütterschule als Erziehungs- und Bildungsstätte
gefordert, um auf weite Sicht 'vorbeugende Fürsorge' leisten zu können
und somit zur Sicherung von Ehe und Familie beizutragen. Die Mütterschule
will der 'moderne(n) Heimatlosigkeit' (1954) entgegenwirken und die fehlende
Häuslichkeit wiederherstellen. … Die 'Bildung zur mütterlichen Persönlichkeit'
(Lück, Conradine, 1956, S. 157) stellt das Ziel der Mütterschule dar. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 60) |
Bildung zur mütterlichen Persönlichkeit (50er Jahre) |
| Ein konzentrisches Verständnis von Mütterbildung
führt zu Forderungen nach Erwachsenenbildung. (Aufsatz von Conradine Lück: "Die Mütterschule, eine aktuelle Forderung der Erwachsenenbildung", 1957) |
Forderungen nach Erwachsenenbildung (1957) |
| Mütterbildung 'ist jede Mädchen- und Frauenbildung,
die von allen Seiten her die menschlichen und fraulichen Anlagen ausbildet
und entwickelt' (Lück, Conradine, 1957, S. 1). Dies bedeutet, die Frau
in allen Funktionen und Aufgaben anzusprechen, als Mutter, als Hausfrau,
als Ehefrau, als Staatsbürgerin, als Berufstätige usw. … Nicht die Aneinanderreihung dieser vielfältigen Aufgaben, sondern die einende Mitte ist das charakteristische Merkmal der Mütterschularbeit, die sich nicht aus der Summe der einzelnen Kurse addiert, sondern der ein Gedanke zugrunde liegen soll, der sich in den verschiedenen Gebieten ausdifferenziert. |
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Die konzeptionellen Diskussionsströme bewegten sich Ende der 50er Jahre zwischen "vorbeugender Fürsorge", "Hilfe zur Selbsthilfe" und "Bildung der Persönlichkeit". Dieser Konzeptionsstreit soll nach Aussagen von Claus Narowski "… so virulent wie in den 70er Jahren, als es um die Frage der Zuordnung von Eltern- und Familienbildung zur Erwachsenenbildung oder zur Jugendhilfe ging …" (Narowski, Claus, 1991, S. 38) gewesen sein. |
Konzeptionsstreit |
| Ende der 60er, Anfang der 70er erfolgt zunehmend die
Umbenennung der bisherigen Mütterschulen in Familienbildungsstätten. …
durch die Veränderungen im Rollenverständnis von Frau und Mann bezüglich
der Aufgabenteilung in Ehe, Familie und Beruf erwuchsen auch den Familienbildungsstätten
neue Aufgaben, die eine Fixierung auf Frau und Mutter nicht mehr angemessen
erscheinen ließen. Von nun an wird die gesamte Familie, werden Mütter,
Väter und Kinder zu Zielgruppen der Familienbildungsstätte. (Narowski, Claus, 1991, S. 35) |
Mütterschulen in Familienbildungsstätten (60er Jahre) |
Der Wandel von der "Mütterschule" zur "Familienbildungsstätte" |
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| … ist eine Folge der Wandlung des Familien- und Frauenbildes
und erklärt sich unter anderem aus den Änderungen der realen Lebensverhältnisse.
Dieser gesellschaftliche Wandel schlägt sich auch in einer Änderung des
Bildungsangebotes und einer Erweiterung des Adressatenkreises dieser zur
Erwachsenenbildung zählenden Einrichtungen nieder. … 'Ihre Bemühungen gelten der Gesamtfamilie, nicht nur einzelnen Familienmitgliedern, z.B. der Frau allein. Diesen Verdacht könnte man natürlich hegen, liest man die Bezeichnung 'Mütterschule'. Dieser traditionelle Name ist nicht mehr ganz zeitgemäß und erfährt auch weitgehend eine Umwandlung. Wichtiger als solche Äußerlichkeiten ist der Inhalt der Arbeit.’ (Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung, 1969) … Die Diskussion des Übergangs von der Mütterbildung zur Familienbildung ist auch Gegenstand der Tagung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" 1967 in Stuttgart. In ihrem Einführungsreferat verdeutlicht Ingrid Elster-Düsing (1967), daß die Frau nicht mehr als der zentrierende Faktor der Familie angesehen und ihr allein die Verantwortung für die Familie zugeschoben werden kann, sondern daß beide Ehepartner für das Familienleben und die Beziehung zur Gesellschaft verantwortlich sind. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 74) |
Frau nicht mehr als der zentrierende Faktor der Familie angesehen (1970) |
Die Familie wird zum Zentrum pädagogischen Handelns. 1970 werden auf der Jahrestagung der "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen der Familienbildung" familienpädagogische Aufgaben der Einrichtungen festgelegt: |
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| Die Einrichtungen der Arbeitsgemeinschaft sehen ihre
Aufgabe vor allem in der Unterstützung der Familie, nämlich ihr bei der
Bewältigung der Erziehungsaufgaben zu helfen, Eltern zu pädagogischem
Denken und Handeln anzuregen. (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989) |
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| Die Familienbildungsstätten wollen den Familien Hilfen
geben für den familialen wie den außerfamilialen Raum. Die Familie wird
im gesellschaftlichen Kontext gesehen. Insbesondere wird angestrebt, die
Familie aus ihrer sozialen Isolation zu heben und die Familienmitglieder
einem stärkeren Bewußtseinsprozeß zu unterziehen. Die Familie als Sozialisationsinstanz
ist in jenen Jahren das primäre Ziel der Elternbildungsveranstaltungen
… (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 86) |
Die Familie als Sozialisationsinstanz |
| Goldene Jahre der Familienbildung (Keil, Siegfried, 1983, S. 9) |
"Goldene Jahre der Familienbildung" |
Zeitgeschichtlich ist es die Zeit der antiautoritären Bewegung. Die Flexibilität der Einrichtungen auf Veränderungen des Lebens und der Zeitströmungen einzugehen wird als positiv gewertet. In wie weit sie sich diesem nur anpassen, steht zur Diskussion. Diskussionen um Differenzierungen und bessere Abgrenzungen kommen in Gang und das sowohl in (a) konzeptioneller Ausrichtung wie auch auf (b) struktureller Zuständigkeitsebene. |
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| (a) Familienerziehung und Familienpädagogik Zur Differenzierung und besseren Abgrenzung seien hier noch die Begriffe 'Familienerziehung' und 'Familienpädagogik' aufgeführt. Familienerziehung umfaßt die 'innerfamiliäre Erziehung' (Pöggeler, 1971, S. 451). Sie wird insbesondere im Bereich der Eltern- und Familienbildung thematisiert. Familienpädagogik bezeichnet die 'Theorie der Familienerziehung' (Pöggeler, 1971, S. 451). Sie wird in den 70er Jahren zu einem vielbeachteten Teilgebiet der Erziehungswissenschaft und erfährt in den 80er Jahren weiteren Auftrieb in Forschung und Lehre. Erkenntnisse aus der Sozialisationsforschung, insbesondere der frühkindlichen Sozialisation, und die wissenschaftliche wie auch öffentliche Diskussion um die Bezugsperson des Kindes (Mutter-Kind-Beziehung) beherrschen die Themen der Eltern- und Familienbildung. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 81) (b) Familienbildung und Erwachsenenbildung Die Familienbildung ist in der Erwachsenenbildung wie in der Sozialpädagogik angesiedelt. … Steht die Person im Mittelpunkt, so ist es einmal der Erwachsene, der sich für seine Rolle in der Familie weiterbilden will, damit tritt die Erwachsenenbildung in den Vordergrund. Ist das Kindeswohl der zentrale Aspekt, so ist die Familienbildung im präventiven Bereich der Jugendhilfe (Sozialpädagogik) angesiedelt. … Daß 'die Familienbildung gleichzeitig erwachsenenpädagogische Aufgaben und sozialpädagogische Funktionen wahrnehmen' muß (Schleicher, 1984, S. 4), um wirksam werden zu können, ist unbestritten (vgl. Altdorfer, 1978; Keil, 1981; Scheile, 1980, S. 19ff.) und unmittelbar dem Ziel und der Aufgabe der Familienbildung zu entnehmen. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 82) |
Familienerziehung und Familienpädagogik Familienbildung und Erwachsenenbildung |
| Das Miteinanderlernen und Voneinanderlernen, Teilnehmerin
von Teilnehmerin, Teilnehmerin von Kursleiterin, Kursleiterin von Teilnehmerin,
wird mehr und mehr wichtig. Situations-, problem- und handlungsorientiertes
Lernen kennzeichnet die methodische Arbeit der Familienbildungsstätte
in den 80er Jahren. Die Übergänge von Kursangebot (Standardprogramm) hin zu offener Arbeit lassen auch erkennen, daß die Familienbildungsstätte sowohl eine erwachsenenbildnerisch wie auch eine sozialpädagogisch orientierte Einrichtung ist. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 98) |
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| Erst in den 70er Jahren, nach mehr als sechs Jahrzehnten
Bestand, wird die theoretische Fundierung zum wichtigsten Thema der Dachverbände.
Dieser Mangel eines theoretischen Fundaments bedeutet nicht, daß
die Mütterschulen/Familienbildungsstätten völlig
konzeptlos arbeiten. Der Aufriß der geschichtlichen Entwicklung
zeigt durchaus konzeptionelle Ansätze in den einzelnen Phasen. Die
Problematik liegt vorwiegend darin, daß diese nicht schriftlich
fixiert sind und daher auch nicht deutlich als Grundlage für eine
konzeptionelle Ausrichtung der Familienbildung in dieser Einrichtung
ausgewiesen werden können. Vielmehr versucht sie ihr theoretisches
Verständnis aus der Praxis zu entwickeln und ihr Verständnis
von Familienbildung aus ihrem praktischen Tun zu erklären. … Das Fehlen einer theoretischen Grundlage ist auch in personellen, strukturellen und institutionellen Bedingungen begründet wie auch zum Teil in der Arbeitsweise der Familienbildungsstätten. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 87f.) |
Theoretische Fundierung in den 70er Jahren |
Personelle Bedingungen:
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Personelle Bedingungen Strukturelle Bedingungen Institutionelle Bedingungen |
| Schon zu Beginn des Jahrhunderts entwickelten sich
die ersten Wanderkurse auf dem Gebiet der Mütterbildung. Verschiedene
Vereine und Verbände bieten Säuglingspflegekurse auf dem Land an, um der
Säuglingssterblichkeit entgegen zu wirken. Später entwickeln sich daraus die 'Wandermütterschulen/Mobile Familienbildungsstätten' oder auch 'dezentrale Einrichtungen' genannt, die für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind und regional begrenzt arbeiten. Ihre Entwicklung ist mit der institutionell festen Einrichtung in den Klein- und Großstädten vergleichbar. … Eine regional nicht begrenzte Wandermütterschule, in ihrer Art einmalig, ist die fahrbare Wandermütterschule der Arbeiterwohlfahrt (vgl. Müller, 1975; Sprey, 1978), die bundesweit einsetzbar ist. Die erste fahrbare Wandermütterschule der Arbeiterwohlfahrt wird 1960 installiert mit dem Ziel, familienpädagogische Aufgaben auch auf dem Lande erfüllen zu können. … Das Originelle dieser fahrbaren Wandermütterschule (später "Mobile Elternschule/MES") drückt sich besonders in ihrer Arbeitsweise aus. Die Wandermütterschule wird von den örtlichen Verbänden der Arbeiterwohlfahrt angefordert. Es wird kein Programm angeboten, sondern aus den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer wird das Programm an einem Einführungsabend zusammengestellt. Zwei hauptamtliche Lehrkräfte begleiten die Wandermütterschule und können nebenamtliche Kräfte heranziehen. … (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 91f.) |
Mobile Einrichtungen |
| Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten
auf Bundesebene "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V." Umbenennung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" in "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V." (AGEF) Die "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" wird 1969 in die juristische Form des eingetragenen Vereins überführt und erhält nicht nur einen neuen Namen; "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung". Während sich die Mütterschulen stark der Familienpflege und vorbeugenden Fürsorge verpflichtet sehen, |
Dachorganisationen der Mütterschulen
bzw. Familienbildungsstätten auf Bundesebene Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V. |
| … steht in den Richtlinien von 1969 der Bildungscharakter
im Vordergrund, abzulesen an den Begriffen 'familienpädagogische Maßnahmen'
und 'Familienbildung'. … Neue Schwerpunkte in dieser Richtlinie sind: der Hinweis, daß
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| In der Zweckbeschreibung werden Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft
formuliert, die eine Vernetzungs- und Qualifizierungstendenz erkennen
lassen. Der Zweck des Vereins und damit Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft ist:
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 109f.) |
Vernetzungs- und Qualifizierungs- tendenz Informationsdienst Familienbildung |
Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten e.V." (BAG) ist in den 50er Jahren als "Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Mütterschulen" erstmals gegründet worden. Aus der "Evangelischen Frauenarbeit Deutschland" entstand 1954 die "Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Mütterschulen". Sie diente dem Erfahrungsaustausch über evangelische Mütterschulung. |
Bundesarbeits- gemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten e.V. |
| Die Mütterschularbeit stellt ein Teilgebiet der Frauenarbeit
dar; dieses Verständnis liegt heute noch der BAG zugrunde. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 112f.) |
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Der Name "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Mütterschulen" wird 1965 in der Satzung festgeschrieben. In ihr werden auch Zweck und Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft ausführlicher und differenzierter als in älteren Ordnungen beschrieben: |
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1971 erfolgt die Namensänderung, die bis heute gültig ist; "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten". Mit der Umbenennung erfolgt auch die Begriffsveränderung von "Elternbildung" in "Familienbildung", da "… der Name 'Elternbildung', … lediglich einen Teilbereich, nämlich den Erziehungsaspekt, bezeichnet." (Liselotte Nold. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 114) Die Aufgaben der BAG bleiben die, die 1965 verabschiedet wurden. 1979 erfolgen vier Ergänzungen in Ausrichtung Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung. |
Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung |
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Seit 1969 gibt die BAG ein Informationsblatt heraus, was in der ersten Zeit
Ab 1970 treten Praxisberichte einzelner Mütterschulen hervor. Ab 1976 erscheinen die bag-informationen in neuer Form und Ausrichtung und in redaktioneller Verantwortung von Klaus Schäfer. … Neben der internen Information für die eigenen Mitglieder ist die Öffentlichkeitsarbeit wesentlicher Bestandteil geworden. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 116) |
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Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten" (BAGKFBS) geht aus der "Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Mütterschulen", zuvor "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der katholischen Mütterschulen" (gegründet 1956) hervor. Diese war ein Zusammenschluss aus:
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Bundesarbeits- gemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten |
| Es sind die katholischen Verbände, die auf lokaler
Ebene auch Träger der ersten katholischen Mütterschule in Köln sind. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 117) |
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1970 erfolgt die bis heute gültige Namensänderung in "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten". Mit der erneuten Namensänderung wurde die "Richtlinie für die Arbeit in katholischen Familienbildungsstätten – Mütterschulen" verabschiedet, die die Frauenbildung als Schwerpunkt der Familienbildungsstätten beschreibt. Die BAGKFBS achtet darauf, dass die Familienbildungsstätten ein ausgewogenes Programm, hinsichtlich
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Frauenbildung als Schwerpunkt der Familienbildungsstätten |
Die Satzung von 1973 legt folgende Aufgaben der Bundesarbeitsgemeinschaft
fest:
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 119) |
Erwachsenenbildung |
Zum Weiterlesen:
Die Rolle der Familienbildung - vom Rückblick zum Ausblick: Vortrag von Heribert Rollik, Fachtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DRK Landesverband Sachsen-Anhalt, Mai 2007