GESCHICHTE DER FAMILIENBILDUNG

Im Folgenden wird der Gang der Geschichte der Familienbildung unter der Frage
"Seit wann und wie entwickelt sich Familienbildung?"
bis Ende der 80er Jahre dargestellt.

1826–1917 Gründerzeit – Zeit der bürgerlichen Romantik in
der Erziehung und sich entwickelnden Frauenbewegung
1917–1936 Erste Mütterschulbewegung
1936–1945 Die Zeit des Gespaltensein in der Mütterbildungsarbeit
1945–1957 Zweite Mütterschulbewegung
1957–1970 Die Zeit des Streitens - von der Mutter zur Familie; Erwachsenenbildung, Familienbildungsstätten
1970–Ende der 80er "Goldenen Jahre der Familienbildung" – theoretische Fundierung und Strukturierung

Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten auf Bundesebene

 

1826-1917

Im frühen 19. Jahrhundert richtet sich Friedrich W. A. Fröbel mit seinem Hauptwerk "Die Menschenerziehung" (auch "Erziehungsbuch" genannt) nicht nur an Lehrer und Erzieher, sondern ganz zentral an Mütter und Väter. Er spricht "Eltern" und "Umgebung" an, wenn er Grundsätzliches zur Erziehung und Bildung des Kindes (losgelöst von der Berufs- und Standesbildung) erläutert.

In dem folgenden Beispiel wird deutlich, dass sich schon Fröbel (1826) mit seinen "Unterrichtungen" an die Eltern- und "Umgebung"sbildung richtet.








1826
… Unruhe, Schmerz und Weinen bezeichnen in ihrem ersten Erscheinen alles das, was der Entwicklung des Menschen als Kind entgegen ist; auch an sie muß auf nachgehende aber entgegengesetzte, auf entfernende Weise die Erziehung ihr Wirken anknüpfen; es muß gestrebt und sich bemüht werden, den Grund, die Gründe davon aufzufinden und sie zu entfernen. In den allerersten, aber fast auch nur in den allerersten Erscheinungen des Weinens, der Unruhe, des Schreiens ist dem Kinde aller Eigensinn und Eigenwille gewiß fremd; aber er keimt so frühe, sobald als nur dem kleinen Wesen, … 'ein Fühlen kommt, dass es mit Willkür oder aus Unachtsamkeit oder Trägheit dem überlassen bleibe, was ihm Unruhe und Schmerz macht und bringt. Ist nun dem Kinde dieses unglücksselige Gefühl gleichsam eingeimpft, so ist es auch der Eigensinn, der erste und hässlichste aller Fehler, erzeugt, ja schon geboren der Fehler, der das Kind und die Umgebung zu vernichten droht, … . Haben … Eltern und Umgebung in sich die feste und sichere Überzeugung, daß dem weinenden, unruhigen Kinde das gereicht worden, was ihm jetzt Bedürfnis sein kann, daß alles entfernt worden, was seinem Zustande jetzt nachteilig ist und sein kann: so können nicht allein, ja so sollen Eltern und Umgebung das weinende, unruhige, ja schreiende Kind ruhig und still sich selbst überlassen, ruhig ihm Zeit geben, sich selbst zu finden.
(Fröbel, F. W. A., 1982, Bd. 2, S. 25)
 

Fröbel bezieht die Eltern und das soziale Umfeld ("Umgebung") in seine "Volksschulpädagogik" bereits mit ein. Er veröffentlicht seine Erkenntnisse, Methoden und Didaktik für Eltern und andere Erziehende in einem Wochenblatt "Die erziehende Familie – Wochenblatt für die Selbstbildung und die Bildung Anderer".

Schon Fröbel formuliert, dass Erziehung und Bildung junger Menschen nicht ohne die Familie erfolgreich ist.

 
Will der Erzieher mit wahrem Glück in einer Familie wirken, so müssen Eltern und Kinder ein Ganzes, eine Einheit bilden, findet dieses mehr oder weniger nicht statt, so muß sein allererstes Bestreben sein, jene Einheit, jenes Ganze, jene Gesamtheit darzustellen, … .
(Fröbel, F. W. A. In: Schuffenhauer, H., 1982, S. 17)
 

Fröbels Anschauungen, Einsichten und Erkenntnisse können nicht losgelöst von der gesellschaftlich-politischen Entwicklung der Zeit, in der er lebte, gesehen werden. Es ist die Zeit der ersten Industrialisierung. Nicht nur auf dem Land, auch in der Stadt gehen mehr und mehr Mütter einer beruflichen Tätigkeit nach. Die Zeit für die Kindererziehung und -bildung ist stark eingeschränkt, kaum noch vorhanden. Ein Bildungssystem für Kinder aus Arbeiterfamilien gibt es noch nicht.

Rudolf Pettinger schreibt:

 
Wenn heute im Blick auf das seit 1991 geltende Kinder- und Jugendhilfegesetz von der Familienbildung als Aufgabe der Jugendhilfe gesprochen und in Verankerung durch die Jugendhilfeplanung gefördert wird, wird meist vergessen, dass die sozialpädagogische Tradition von Familien- bzw. Mütterbildung sehr viel weiter, nämlich bis zu den Anfängen der Industrialisierung in Deutschland, zurückreicht.
Hinzuweisen ist hier besonders auf Friedrich Fröbel, der uns zwar als "Vater" des heutigen Kindergartens gilt, weniger bekannt ist aber seine Rolle für die Mütterbildung: die von ihm ganzheitlich verstandene Erziehung der Kinder, die Bewahrung der Kinder der arbeitenden Bevölkerung vor Verwahrlosung, schloss immer auch die Mütter, das Bemühen um ihre bessere Bildung, ein.
Kennzeichnend für diese Anfangsetappe der Mütterbildung war ihre starke Funktionalisierung für die Kindererziehung: ihre Aufgabe sah sie ganz in der Verbesserung der Kindererziehung.
(Pettinger, Rudolf, 1995, S. 41)












Anfangsetappe

Dazu nochmals ein Textbeispiel aus Friedrich Fröbels Feder:

 
Wie teilt zuerst der Knabe und das Mädchen so innig gern die Arbeiten des Vaters und der Mutter, nicht die spielenden und leichten, nein, nein die anstrengenden, Kraft und Mühe erfordernden möchte es mit den Eltern teilen. Hier seid achtsam; hier seid sorgsam und sinnig, Ihr Eltern! Ihr könnt hier mit einem Male den Tätigkeits- und Bildungstrieb eurer Kinder wenigstens für lange vernichten, wenn ihr die Hilfe eurer Kinder als kindisch, als unnütz, wenig fruchtend, ja vielleicht gar als hindernd und hemmend zurückweiset. Laßt euch durch den Drang der Geschichte ja nicht verleiten; hütet euch ja zu sagen: "Geh hinweg! du hinderst mich nur!" oder: "Ich muß eilen, laß es mich geschwind allein machen!" Der Knabe, das Mädchen werden so in ihrer inneren Tätigkeit gestört, sie sehen sich aus dem Ganzen, mit welchem sie sich innig eins fühlen, herausgesetzt, … . Kaum drei mal darf jene Zurückweisung von den Eltern geschehen, und das Kind wird sich nicht wieder zu einer Hilfe, zur Teilung einer Arbeit melden.
…Seht, Eltern! der erste Tätigkeits-, der erste Bildungstrieb
kommt aus dem Menschen, dem Wesen des in ihm noch unbewußt, unerkannt wirkenden Geistes gemäß … .
(Fröbel, F. W. A., 1982, Bd. 2, S. 61)
 

Friedrich Fröbel spricht die Eltern ganz direkt in ihrem Alltags(er)leben an.

Rudolf Pettinger führt weiter aus:

 
Der Einfluss Fröbels auf die Entwicklung der Mütterbildung ist auch in der Folgezeit erhalten geblieben, weil viele der leitenden Frauen der Mütterschulen-Bewegung aus der Fröbelschen Tradition der Kindererzieherinnen kamen (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989).
Eine Ausweitung dieser Perspektive erfährt die Mütterbildung durch die verschiedenen Frauenbewegungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Entfaltung der industriellen Lebensformen, die Urbanisierung mit ihren Auflösungstendenzen für großfamiliäre Lebensformen und die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit, führte zu Versuchen der gesellschaftlichen Emanzipationserziehung durch Familienbildungsvereine und Mütterschulen, in denen die Situation der Frauen und Mütter einen eigenen Stellenwert erhielt. …… lange Zeit weist das Programm der Mütterschulen einen traditionellen Zuschnitt auf: es sind dies vor allem praktische Kurse für die Haushaltsführung, für Ehe- und Familienfragen und Erziehungskurse. (Pettinger, Rudolf, 1995, S.42)





19. Jahrhundert








Kindergarten
und Mütterbildung

Doch noch einmal zurück zu Fröbel und seinem Denken und Handeln um die Idee des "Kindergartens".
Hildegard Schymroch, die 1989 die "bislang am sorgfältigsten erforschte Geschichte der Familienbildungsstätten vorlegte" (Narowski, Claus, 1991, S. 34), schreibt u.a. zu den ideengeschichtlichen Wurzeln der Mütterschule.

 
Fröbel, Romantiker und Schüler von Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), entwickelt mit seiner Kindergartenidee einen Ansatz, der die zu Beginn der Industrialisierung in weiten Teilen Europas entstehenden öffentlichen Einrichtungen zur Kleinkinderbetreuung (Kleinkinderschulen, Beschäftigungsanstalten und Bewahranstalten; Erninger, 1976; Erninger u.a., 1987) konzeptionell weiterführt. Er strebt eine ganzheitliche Erziehung des Menschen an, die leibliche, die seelische und die geistige. Deutlich erkennt er, daß die Erziehung des Kleinkindes die Grundlage für die Erziehung des Menschen sowie der Menschheit ist. … Er will 'keineswegs die Familien von der Pflicht der sorgsamen Kinderpflege entbinden, sondern zur Erfüllung derselben ihnen vielmehr behilflich sein … , und … noch weniger die Kinder den Familien entfremden, im Gegenteil ein einiges echt deutsches Familienleben hervorfördern beabsichtigen'.
(Hoffmann, 1964, S. 113)

Insofern der Kindergarten als Bildungsstätte für Frauen und Mütter gedacht ist, berücksichtigt er folgende Funktionen:
(a) Anleitung von Müttern in der richtigen Kindererziehung;
(b) Vorbereitung junger Mädchen in ihrer Mutterfunktion;
(c) Ausbildungsstätte für Kinderpflegerinnen.
Der Gedanke der Mütterbildung weist bei Fröbel zwei Perspektiven auf: einmal die Mütter im Spiel des Kindes anzuleiten durch Anschauung und Selbsttun und ihnen damit zu ermöglichen, in das Wesen des Kindes hineinzufinden, zum anderen das Muttertum und das weibliche Wesen in seiner geistigen Haltung zu stärken.
'Wenn es uns nicht möglich ist, den weiblichen und mütterlichen Sinn für Menschenwürde und -pflege zu wecken und zum Bewußtsein zu erheben, so kommen wir auch mit der echten Kinderpflege und mit der wahren Menschenerziehung nicht weiter.' (Pösche, 1887, S. 90)
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 13ff.)
 
   
Das Verständnis von Mütterlichkeit, das seinen Ausgangspunkt im romantischen Gedankengut hat, … findet seine Fortsetzung in der Frauenbewegung. … Jede Frau wird als Mutter betrachtet. Auch in der Volksbildungsbewegung findet es seinen Niederschlag. Der Volksbildungsverein der katholisch-sozialen Richtung, der 'Volksverein für das katholische Deutschland' mit Sitz in Mönchen-Gladbach, widmet sich neben der Pflege des katholischen Kulturgutes und -bewußtseins insbesondere der Arbeiter- und Bauernfrage. Einer der bedeutensten Volksbildner, Anton Heinen (1869–1934) widmet sich insbesondere der Mütterlichkeitspflege. … In seinen Schriften "Mütterlichkeit", "Von Mutterleid und Mutterfreud", "Die Familie" und vielen anderen wendet er sich vor allem an Mütter, Frauen und Mädchen. Auch in seinen verschiedenen methodischen Ansätzen von Arbeitskreisen und Nachbarschaftshilfen zielt er auf die weibliche Bevölkerung ab. Die Familie ist ihm das Sinnbild der Arbeitsgemeinschaft. Es geht ihm um das Wiedererstarken der Familie und das richtige Erziehungsverhalten.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 18)
Das Verständnis von Mütterlichkeit

Volksbildungs-
bewegung
(Anton Heinen 1869–1934)





Arbeitskreise und Nachbarschaftshilfen
   
Erziehungs-, Frauen- und Kindergartenvereine verbreiten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Friedrich Fröbels Konzept des Kindergartens. Eine Reihe von Vereinen fungieren als Träger von Kindergärten. Viele Frauen, die in diesen Vereinen mitwirken, besonders aus bürgerlichen Kreisen, drängen zur Bildung und außerhäusiger Tätigkeit und sind auch in der Frauenbewegung aktiv. … vor dem Hintergrund der Industrialisierung und der Verstädterung der Lebensweisen … (ist) eine verstärkte Hinwendung zur Mädchen- und Frauenbildung und zur Berufstätigkeit der Frau festzustellen. … Die Emanzipationsbestrebungen, zurückgehend auf die Aufklärung, sind nun verwoben mit den Bestrebungen des Deutschen Idealismus und der Romantik, durch die allgemeine Menschenbildung für die Gesamtheit zu wirken. Der Gedanke der Mütterlichkeit … wird gesellschaftlich erweitert und fortgeführt durch die Frauenbewegung (vgl. Zahn-Harnack, 1928; Tornieporth, 1979). … Die biologische Mutterschaft erfährt eine Erweiterung ins Seelisch-Geistige, … Mütterlichkeit wird als 'Prinzip aller Frauenarbeit' (Zahn-Harnack, 1928, S. 77) verstanden:
'Gestaltete und gestaltende Mütterlichkeit ist die letzte Triebfeder, die die Frauen nicht nur in die Krippe, Kindergärten und Schulen sendet, sondern auch in die Ministerien und die Parlamente.' (Zahn-Harnack, 1928, S. 77)
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 15ff.)
Frauenbewegung und Mütterschulen (Jahrhundertwende)












Mutterschaft erfährt eine Erweiterung

Wegweisende Frauen:
  • Lina Morgenstern (1830–1909)§ Anhängerin der Fröbelschen Pädagogik
    • aktiv in der bürgerlich-liberalen wie auch in der jüdischen Frauenbewegung
    • soziales Werk: Berliner Volksküchen (1866)
  • Henriette Goldschmidt (1825–1920)
    • führende Persönlichkeit in der bürgerlich-liberalen und jüdischen Frauenbewegung
    • Mitbegründerin des allgemeinen Deutschen Frauenvereins
    • Gründerin des Leipziger Vereins für Familien- und Volkserziehung (1871)
    • Gründerin einer Hochschule für Frauen (1916)
  • Henriette Schrader-Breymann (1827–1899)
    • Vertreterin der Fröbelschen Kindergartenpädagogik (Fröbels Nichte)
    • Gründerin des Berliner Pestalozzi-Fröbel-Hauses (1873) (Ausbildung von Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen)
  • Minna Cauer (1842–1922) und Jeanette Schwerin (1852–1929)
    • Begründerinnen der "Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit"
  • Alice Salomon (1872–1948)
    • dritte Vorsitzende der "Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit" Gründerin der sozialen Wohlfahrtsschule (1908); Leitung bis 1924
  • Maria Montessori (1870–1952)
    • italienische Ärztin
    • eigene Konzeption für die Erziehungs- und Bildungsarbeit (Montessori-Pädagogik)


Wegweisende Frauen
Das "Jahrhundert des Kindes" (Key, 1900) lenkt in vielfältigen Richtungen der Reformpädagogik (vgl. Scheibe, 1974) den Blick auf das Kind. Diese "pädagogische Bewegung vom Kind aus", … ist einerseits eine Weiterführung der romantischen Pädagogik, die erstmals die Hinwendung zur frühen Kindheit hervorhebt, zum anderen aber auch eine neue Entwicklung aufkommender Wissenschaften "Kinderheilkunde" (vgl. Neumann, 1987) und "Kinderpsychologie" (Preyer, 1882; Stern, 1914; Bühler, 1918). Damit wird auch der Familienerziehung eine neue Dimension eröffnet. Sie kann nicht lediglich in Tradition weitergeführt werden, sondern sie muß die neuen Kenntnisse der verschiedenen Wissenschaften mit einbeziehen. Dies bedeutet Information und Unterweisung der Eltern.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 18)









die neuen Kenntnisse der verschiedenen Wissenschaften

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1917-1936

Luise Lampert absolvierte ihre Ausbildungen am Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus unter Leitung von Henriette Schrader-Breymann und bei Maria Montessori zur Montessori-Pädagogik.

1917 gründete Luise Lampert in Stuttgart die erste Mütterschule in Deutschland. Hohe Säuglingssterblichkeit, schlechte Wohn- und Arbeitsverhältnisse, unzureichende Ernährung und mangelnde Hygiene kennzeichneten damals das Leben der arbeitenden Bevölkerung – Intention für die bürgerlich-liberale und jüdische Frauenbewegung, sich aktiv und engagiert hier einzusetzen und Abhilfe zu schaffen. Mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement verfolgten sie nicht nur uneigennützige Ziele. Sie wollten neben einer Verbesserung der Lebens- und Bildungssituation von Familien auch Berufsfelder für Frauen im sozialpädagogischen Bereich schaffen und somit Berufstätigkeit von Frauen etablieren. (www.sozialnetz.de)
1917 gründete Luise Lampert in Stuttgart die erste Mütterschule

 
In ihr (Mütterschule) sollten Mütter auf ihre Mutteraufgabe vorbereitet werden durch die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten, die zur Pflege und Gesunderhaltung der Kinder notwendig waren. In der Weimarer Republik entstanden bis 1933 sehr bald in ganz Deutschland weitere 37 Mütterschulen. … Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit der Mütterschulen (lag) in der Entstehungsphase auf "Kursen mit Themen zu Schwangerschaft, Geburt, Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern" … . Praktische Kurse wie Kochen oder Nähen seien erst nach 1933 aufgenommen worden.
(Narowski, Claus, 1991, S. 34)
 

Ein erklärtes Ziel der Stuttgarter Mütterschule war

erklärtes Ziel der Stuttgarter Mütterschule
… die Wiederherstellung der "natürlichen Mütterlichkeit der Frau als Dienst am Volk". Die Mütterbildung beinhaltete insofern staatsbürgerliche Bildung, als der Frau eine eigenverantwortliche Stellung für Volk und Volksgemeinschaft zugeschrieben wird. Die von Luise Lampert formulierte Aufgabe der Mütterschule verdeutlicht dies:

’Mutter sein ist ein so ungemein hoher Begriff, weil der Inhalt die Menschenbildung ist in körperlicher und geistig-seelischer Beziehung, weil zu seiner Erfüllung körperliche, geistige und seelische Arbeit notwendig ist, weil die Aufgabe vom ganzen Menschen geleistet werden muß und einen ganzen Menschen durch die größte Zeit seines Lebens hindurch fordert. Die Frau für diese umfassende Aufgabe zu gewinnen, vorzubilden und anzuleiten, ist die Aufgabe der Mütterschulung.’ (Lampert, 1934, S. 23)
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 23)

1936 geht die Stuttgarter Mütterschule

 
– wie auch andere Organisationen – in das Deutsche Frauenwerk, Abteilung Mütterdienst, über.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 25)
das Deutsche Frauenwerk

 
Da jedoch die Mütterschulung prinzipiell als kulturelle, nicht als rein fürsorgliche Maßnahme zu betrachten ist und sich das Bestreben geltend macht, an organisch Gewachsenem anzuknüpfen, die Arbeit planmäßig zu verteilen, die eingeschulten Kräfte in erster Linie arbeiten zu lassen, so ergab sich die Forderung nach enger Zusammenarbeit mit der NS-Frauenschaft, allen parteiamtlichen Stellen und den Einrichtungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. Durch Erlaß des Amtes für Wohlfahrt bei der obersten Leitung der PO wird deshalb zur Abgrenzung der beiderseitigen Aufgabengebiete verfügt, daß die Mütterschulung von der 'Reichsstelle des Deutschen Frauenwerks' in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege verantwortlich getragen werde und die NSV keine selbständige Schulungsarbeit leiste, sondern lediglich ihre Fachkräfte für die Durchführung von Einzelaufgaben zur Verfügung stelle.
(Rahner, 1936, S. 86. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 47)

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1936-1945

Folgende Verbände bilden in den Anfängen die "Reichsarbeitsgemeinschaft für Mütterschulen":
  1. NS-Frauenschaft
  2. Evangelischer Mütterdienst
  3. Reichsgemeinschaft Deutscher Hausfrauen
  4. Deutsche Vereinigung für Säuglings- und Kleinkinderschutz
  5. Deutscher Fröbelverband
Im § 1 der Richtlinie zur Durchführung der Mütterschulung … wird die 'Bedeutung der Mütter für Volk und Staat' hervorgehoben.


Reichsarbeits-
gemeinschaft für Mütterschulen
Während dem Mann von Natur aus die Aufgabe zufällt, vorwiegend draußen im Leben zu schaffen, soll die Frau der Mittelpunkt und die Seele der Familie sein. Die Größe der Aufgabe, die sie an dieser Stelle zu erfüllen hat, ergibt sich aus der Bedeutung der Familie für das Volksleben, dessen Keimzelle sie ist und dessen Bestand sie für die Ewigkeit sichern soll. Unter diesem Gesichtspunkt erhält alle hauswirtschaftliche Arbeit, die für die Familie geleistet werden muß, ihren eigentlichen Sinn und ihre hohe Bedeutung.
(Weiner, Hildegard, 1934, S. 6)
 
   
… Das Ehestandsdarlehen ist zu dieser Zeit gekoppelt an den Besuch von Mütterschulungskursen, die die jungen Frauen zu absolvieren haben (vgl. Lampert 1934 a, S. 199f.). Die Kurse gleichen zum Teil dem Programm der Mütterschulen und werden auch teilweise dort durchgeführt. … 'Träger des einzelnen Mütterschulungskurses ist die Arbeitsgemeinschaft'
(§ 2 Abs. 4 der Richtlinie) …
 
   
Die konfessionelle Mütterbildungsarbeit wird … auf eine kirchlich und katechetische Bildungsarbeit reduziert
(vgl. Nopitsch, 1970, S. 85f.) …
konfessionelle Mütterbildungsarbeit
   
Hermann Klens erwähnt in seinen Erinnerungen … :'Besonders in der nationalsozialistischen Zeit, als den Vereinen die Möglichkeit zu 'weltlichen' Tätigkeiten entzogen war, brach ein Zug der Verinnerlichung im Glauben auf, der sich auf Liturgie und die Bibel konzentrierte.'
(Klens, Hermann, 1978, S. 117)
 
   
Mütterschulung wird außer in der Institution "Mütterschule" auch in der Form von Mütterschulungskursen (meist Wanderkurse) und in der Müttererholung durchgeführt (§ 4). …

Was Karl-Heinz Dickopp ganz allgemein für die Pädagogik zum Ausdruck bringt, gilt in gleicher Weise auch für die Mütterschulung:

'Diese Epoche prägte das Bewußtsein und gestaltete das Handeln nicht durch eine Neuschöpfung von Ideen und Inhalten, sondern durch eine neue Verhältnissetzung. Die Elemente der NS-Pädagogik waren weder neu noch grundsätzlich fragwürdig.' (Dickopp, Karl-Heinz, 1971, S. 147)
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 47ff.)




Pädagogik

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1945-1957

Nach 1945 war … eine Erneuerung der Mütterschulen erforderlich. Diese "zweite Mütterschulbewegung" nahm ihren Ausgangspunkt sowohl in der materiellen als auch in der seelischen Notsituation der Frauen. Daher erschien die Arbeit der Mütterschulen in der ersten Nachkriegszeit mehr der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik als der Erwachsenenbildung zugeordnet. Selma Hohagen, die Leiterin der Wuppertaler Mütterschulen beschrieb die Aufgaben der neuen Mütterschulen 1951 mit den Worten: 'Vermitteln hausfraulicher und mütterlicher Kenntnisse, Schaffung fraulicher Gemeinschaften und Bilden einer Stätte der Besinnung und des Weckens innerer Kräfte.' (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989, S. 58).
(Narowski, Claus, 1991, S. 35)

„zweite Mütterschulbewegung“
(ab 1945)
   
Dort, wo Mütterschulen schon vor 1945 bestanden haben, ist – nach mündlicher Aussage von Gertrud Kleber (1977) – zumeist der Wunsch vorhanden, sie weiterzuführen. Man will dort wieder beginnen, wo man beim Zusammenbruch des "Dritten Reiches" aufhören mußte.
Ein weiterer Beweggrund der Wieder- und Neuerrichtung von Mütterschulen ist, den Frauen in ihrer Not zu helfen. Hier kommt ein fürsorgliches Element zum Tragen, wie es von Selma Hohagen (Leiterin der Wuppertaler Mütterschule; …) und Lotte Geppert (1883–1968, Leiterin der Münchner Mütterschule) vertreten wird, während Luise Lampert, Gertrud Kleber und andere stärker den Bildungsgedanken in den Vordergrund der Aufgabe der Mütterschule stellen. …
Die Bildungshilfen für Mütter und/oder Eltern richten sich ganz auf das Kind aus und haben einen prophylaktischen und kompensatorischen Charakter. In vielen Fällen stellen die Mütterschulen konkrete Hilfe für alltägliche Hilfe bereit. Der 'Nothilfecharakter' von sozialpädagogischen Einrichtungen (Wilhelm, Theodor, 1977, S. 556) prägt jetzt auch die Arbeit mancher Mütterschulen. Erst als sich in den 50er Jahren im Zusammenhang mit der Besserung der allgemeinen Lebensverhältnisse das Verständnis von Sozialarbeit und -pädagogik wandelt, und zwar von der Fremdhilfe zur Selbsthilfe, von der Armenfürsorge zur Sozialarbeit, von der Notstands- und Hilfspädagogik zur Sozialpädagogik, verändert auch die Mütterschule ihre konzeptionelle Grundlage mit Auswirkungen auf die Praxis, was sich besonders in der methodischen Gestaltung niederschlägt.
Auf der Tagung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" im Jahr 1956 werden die Aufgaben der Mütterschulen wie folgt dargestellt:

'Die Mütterschulen so auszubauen, daß sie Abbild und Ausdruck guten Familienlebens sind. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben.' (Lück, Conradine, 1956, S. 156)

Die wesentliche Aufgabe ist, daß die Mütterschulen einen 'Heimcharakter' im Sinne von Familie ausstrahlen.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 57ff.)





















von der Fremdhilfe zur Selbsthilfe

Die Frau gilt in den 50er Jahren als "Herzstück", als Mittelpunkt und Hauptgestalt der Familie. Da durch ihre Berufstätigkeit die zentrierenden Fähigkeiten als Heimgestalterin bedroht werden,

 
… wird die Mütterschule als Erziehungs- und Bildungsstätte gefordert, um auf weite Sicht 'vorbeugende Fürsorge' leisten zu können und somit zur Sicherung von Ehe und Familie beizutragen. Die Mütterschule will der 'moderne(n) Heimatlosigkeit' (1954) entgegenwirken und die fehlende Häuslichkeit wiederherstellen. … Die 'Bildung zur mütterlichen Persönlichkeit' (Lück, Conradine, 1956, S. 157) stellt das Ziel der Mütterschule dar.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 60)




Bildung zur mütterlichen Persönlichkeit
(50er Jahre)

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1957-1970

Ein konzentrisches Verständnis von Mütterbildung führt zu Forderungen nach Erwachsenenbildung.
(Aufsatz von Conradine Lück: "Die Mütterschule, eine aktuelle Forderung der Erwachsenenbildung", 1957)
Forderungen nach Erwachsenenbildung
(1957)
   
Mütterbildung 'ist jede Mädchen- und Frauenbildung, die von allen Seiten her die menschlichen und fraulichen Anlagen ausbildet und entwickelt' (Lück, Conradine, 1957, S. 1). Dies bedeutet, die Frau in allen Funktionen und Aufgaben anzusprechen, als Mutter, als Hausfrau, als Ehefrau, als Staatsbürgerin, als Berufstätige usw. …
Nicht die Aneinanderreihung dieser vielfältigen Aufgaben, sondern die einende Mitte ist das charakteristische Merkmal der Mütterschularbeit, die sich nicht aus der Summe der einzelnen Kurse addiert, sondern der ein Gedanke zugrunde liegen soll, der sich in den verschiedenen Gebieten ausdifferenziert.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 61)
 

Die konzeptionellen Diskussionsströme bewegten sich Ende der 50er Jahre zwischen "vorbeugender Fürsorge", "Hilfe zur Selbsthilfe" und "Bildung der Persönlichkeit". Dieser Konzeptionsstreit soll nach Aussagen von Claus Narowski "… so virulent wie in den 70er Jahren, als es um die Frage der Zuordnung von Eltern- und Familienbildung zur Erwachsenenbildung oder zur Jugendhilfe ging …" (Narowski, Claus, 1991, S. 38) gewesen sein.




Konzeptionsstreit
Ende der 60er, Anfang der 70er erfolgt zunehmend die Umbenennung der bisherigen Mütterschulen in Familienbildungsstätten. … durch die Veränderungen im Rollenverständnis von Frau und Mann bezüglich der Aufgabenteilung in Ehe, Familie und Beruf erwuchsen auch den Familienbildungsstätten neue Aufgaben, die eine Fixierung auf Frau und Mutter nicht mehr angemessen erscheinen ließen. Von nun an wird die gesamte Familie, werden Mütter, Väter und Kinder zu Zielgruppen der Familienbildungsstätte.
(Narowski, Claus, 1991, S. 35)

Mütterschulen in Familienbildungsstätten
(60er Jahre)

Der Wandel von der "Mütterschule" zur "Familienbildungsstätte"

 
… ist eine Folge der Wandlung des Familien- und Frauenbildes und erklärt sich unter anderem aus den Änderungen der realen Lebensverhältnisse. Dieser gesellschaftliche Wandel schlägt sich auch in einer Änderung des Bildungsangebotes und einer Erweiterung des Adressatenkreises dieser zur Erwachsenenbildung zählenden Einrichtungen nieder. …

'Ihre Bemühungen gelten der Gesamtfamilie, nicht nur einzelnen Familienmitgliedern, z.B. der Frau allein. Diesen Verdacht könnte man natürlich hegen, liest man die Bezeichnung 'Mütterschule'. Dieser traditionelle Name ist nicht mehr ganz zeitgemäß und erfährt auch weitgehend eine Umwandlung. Wichtiger als solche Äußerlichkeiten ist der Inhalt der Arbeit.’ (Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung, 1969)

… Die Diskussion des Übergangs von der Mütterbildung zur Familienbildung ist auch Gegenstand der Tagung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" 1967 in Stuttgart. In ihrem Einführungsreferat verdeutlicht Ingrid Elster-Düsing (1967), daß die Frau nicht mehr als der zentrierende Faktor der Familie angesehen und ihr allein die Verantwortung für die Familie zugeschoben werden kann, sondern daß beide Ehepartner für das Familienleben und die Beziehung zur Gesellschaft verantwortlich sind.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 74)



















Frau nicht mehr als der zentrierende Faktor der Familie angesehen (1970)

Die Familie wird zum Zentrum pädagogischen Handelns. 1970 werden auf der Jahrestagung der "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen der Familienbildung" familienpädagogische Aufgaben der Einrichtungen festgelegt:

 
Die Einrichtungen der Arbeitsgemeinschaft sehen ihre Aufgabe vor allem in der Unterstützung der Familie, nämlich ihr bei der Bewältigung der Erziehungsaufgaben zu helfen, Eltern zu pädagogischem Denken und Handeln anzuregen.
(vgl. Schymroch, Hildegard, 1989)
 
   
Die Familienbildungsstätten wollen den Familien Hilfen geben für den familialen wie den außerfamilialen Raum. Die Familie wird im gesellschaftlichen Kontext gesehen. Insbesondere wird angestrebt, die Familie aus ihrer sozialen Isolation zu heben und die Familienmitglieder einem stärkeren Bewußtseinsprozeß zu unterziehen. Die Familie als Sozialisationsinstanz ist in jenen Jahren das primäre Ziel der Elternbildungsveranstaltungen …
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 86)





Die Familie als Sozialisationsinstanz

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1970-Ende der 80er

Goldene Jahre der Familienbildung
(Keil, Siegfried, 1983, S. 9)
"Goldene Jahre der Familienbildung"

Zeitgeschichtlich ist es die Zeit der antiautoritären Bewegung. Die Flexibilität der Einrichtungen auf Veränderungen des Lebens und der Zeitströmungen einzugehen wird als positiv gewertet. In wie weit sie sich diesem nur anpassen, steht zur Diskussion. Diskussionen um Differenzierungen und bessere Abgrenzungen kommen in Gang und das sowohl in (a) konzeptioneller Ausrichtung wie auch auf (b) struktureller Zuständigkeitsebene.

 
(a) Familienerziehung und Familienpädagogik
Zur Differenzierung und besseren Abgrenzung seien hier noch die Begriffe 'Familienerziehung' und 'Familienpädagogik' aufgeführt. Familienerziehung umfaßt die 'innerfamiliäre Erziehung' (Pöggeler, 1971, S. 451). Sie wird insbesondere im Bereich der Eltern- und Familienbildung thematisiert. Familienpädagogik bezeichnet die 'Theorie der Familienerziehung' (Pöggeler, 1971, S. 451). Sie wird in den 70er Jahren zu einem vielbeachteten Teilgebiet der Erziehungswissenschaft und erfährt in den 80er Jahren weiteren Auftrieb in Forschung und Lehre. Erkenntnisse aus der Sozialisationsforschung, insbesondere der frühkindlichen Sozialisation, und die wissenschaftliche wie auch öffentliche Diskussion um die Bezugsperson des Kindes (Mutter-Kind-Beziehung) beherrschen die Themen der Eltern- und Familienbildung.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 81)

(b) Familienbildung und Erwachsenenbildung
Die Familienbildung ist in der Erwachsenenbildung wie in der Sozialpädagogik angesiedelt. … Steht die Person im Mittelpunkt, so ist es einmal der Erwachsene, der sich für seine Rolle in der Familie weiterbilden will, damit tritt die Erwachsenenbildung in den Vordergrund. Ist das Kindeswohl der zentrale Aspekt, so ist die Familienbildung im präventiven Bereich der Jugendhilfe (Sozialpädagogik) angesiedelt. … Daß 'die Familienbildung gleichzeitig erwachsenenpädagogische Aufgaben und sozialpädagogische Funktionen wahrnehmen' muß (Schleicher, 1984, S. 4), um wirksam werden zu können, ist unbestritten (vgl. Altdorfer, 1978; Keil, 1981; Scheile, 1980, S. 19ff.) und unmittelbar dem Ziel und der Aufgabe der Familienbildung zu entnehmen.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 82)
Familienerziehung und Familienpädagogik














Familienbildung und Erwachsenenbildung
   
Das Miteinanderlernen und Voneinanderlernen, Teilnehmerin von Teilnehmerin, Teilnehmerin von Kursleiterin, Kursleiterin von Teilnehmerin, wird mehr und mehr wichtig. Situations-, problem- und handlungsorientiertes Lernen kennzeichnet die methodische Arbeit der Familienbildungsstätte in den 80er Jahren.
Die Übergänge von Kursangebot (Standardprogramm) hin zu offener Arbeit lassen auch erkennen, daß die Familienbildungsstätte sowohl eine erwachsenenbildnerisch wie auch eine sozialpädagogisch orientierte Einrichtung ist.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 98)
 
   
Erst in den 70er Jahren, nach mehr als sechs Jahrzehnten Bestand, wird die theoretische Fundierung zum wichtigsten Thema der Dachverbände. Dieser Mangel eines theoretischen Fundaments bedeutet nicht, daß die Mütterschulen/Familienbildungsstätten völlig konzeptlos arbeiten. Der Aufriß der geschichtlichen Entwicklung zeigt durchaus konzeptionelle Ansätze in den einzelnen Phasen. Die Problematik liegt vorwiegend darin, daß diese nicht schriftlich fixiert sind und daher auch nicht deutlich als Grundlage für eine konzeptionelle Ausrichtung der Familienbildung in dieser Einrichtung ausgewiesen werden können. Vielmehr versucht sie ihr theoretisches Verständnis aus der Praxis zu entwickeln und ihr Verständnis von Familienbildung aus ihrem praktischen Tun zu erklären.

Das Fehlen einer theoretischen Grundlage ist auch in personellen, strukturellen und institutionellen Bedingungen begründet wie auch zum Teil in der Arbeitsweise der Familienbildungsstätten.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 87f.)
Theoretische Fundierung in den 70er Jahren

Personelle Bedingungen:
  • Mitarbeiter kommen vorwiegend aus praktischen und pädagogischen Berufen
    • es liegt vorwiegend keine wissenschaftlich- theoretische Ausbildung vor
    • fast 90% der Mitarbeiter sind Honorarkräfte
  • kein spezifisches Berufsbild
  • hauptamtliche Mitarbeiter
    • sind in der Regel für den Verwaltungsbereich zuständig und für planerische und organisatorische Aufgaben
    • sind vielfach in Teilzeitarbeit angestellt
    • sind vorwiegend Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen und kommen zum Teil aus der alten Jugendleiterausbildung
  • die Alltagsarbeit erlaubt es kaum, sich theoretisch mit der eigenen Arbeit auseinander zusetzen
Strukturelle Bedingungen:
  • die Vorsitzenden bzw. die Geschäftsführenden sind mit Meinungsaustausch, Mitarbeiterfortbildung (Praxisanleitung), Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt
  • Grundsatzarbeit weitgehend unmöglichPersonelle Unterbesetzung der Geschäftsstellen der Dachverbände, "… die von der personellen Kapazität her die Entwicklung eines theoretischen Unterbaus kaum zuläßt" (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989, S. 88f.)
Institutionelle Bedingungen:
  • Fehlen eines theoretischen Fundamentes der Familienbildungsstätten
    • Es fehlt "… eine Art Forschungsinstitut oder eine Arbeitsstelle, die sich vorwiegend der konzeptionell-theoretischen Arbeit und Forschung widmet. Dies könnte auch in einer engeren kontinuierlichen Verbindung mit Fachhochschulen oder Universitäten geleistet werden." (vgl. Schymroch, Hildegard, 1989, S. 89f.)


Personelle
Bedingungen















Strukturelle
Bedingungen









Institutionelle
Bedingungen
Schon zu Beginn des Jahrhunderts entwickelten sich die ersten Wanderkurse auf dem Gebiet der Mütterbildung. Verschiedene Vereine und Verbände bieten Säuglingspflegekurse auf dem Land an, um der Säuglingssterblichkeit entgegen zu wirken.
Später entwickeln sich daraus die 'Wandermütterschulen/Mobile Familienbildungsstätten' oder auch 'dezentrale Einrichtungen' genannt, die für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind und regional begrenzt arbeiten. Ihre Entwicklung ist mit der institutionell festen Einrichtung in den Klein- und Großstädten vergleichbar. …
Eine regional nicht begrenzte Wandermütterschule, in ihrer Art einmalig, ist die fahrbare Wandermütterschule der Arbeiterwohlfahrt (vgl. Müller, 1975; Sprey, 1978), die bundesweit einsetzbar ist. Die erste fahrbare Wandermütterschule der Arbeiterwohlfahrt wird 1960 installiert mit dem Ziel, familienpädagogische Aufgaben auch auf dem Lande erfüllen zu können. …
Das Originelle dieser fahrbaren Wandermütterschule (später "Mobile Elternschule/MES") drückt sich besonders in ihrer Arbeitsweise aus. Die Wandermütterschule wird von den örtlichen Verbänden der Arbeiterwohlfahrt angefordert. Es wird kein Programm angeboten, sondern aus den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer wird das Programm an einem Einführungsabend zusammengestellt. Zwei hauptamtliche Lehrkräfte begleiten die Wandermütterschule und können nebenamtliche Kräfte heranziehen. …
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 91f.)
Mobile Einrichtungen

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Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten auf Bundesebene

Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten auf Bundesebene



"Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V."

Umbenennung der "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" in "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V." (AGEF)

Die "Arbeitsgemeinschaft der Mütterschulen" wird 1969 in die juristische Form des eingetragenen Vereins überführt und erhält nicht nur einen neuen Namen; "Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung".

Während sich die Mütterschulen stark der Familienpflege und vorbeugenden Fürsorge verpflichtet sehen,

Dachorganisationen der Mütterschulen bzw. Familienbildungsstätten auf Bundesebene

Arbeitsgemeinschaft von Einrichtungen für Familienbildung e.V.

… steht in den Richtlinien von 1969 der Bildungscharakter im Vordergrund, abzulesen an den Begriffen 'familienpädagogische Maßnahmen' und 'Familienbildung'. …

Neue Schwerpunkte in dieser Richtlinie sind: der Hinweis, daß
  • die Arbeit in den einzelnen Einrichtungen den örtlichen Gegebenheiten anzupassen ist
  • die Sorge für die Weiterbildung der Mitarbeiter
  • eine stärkere Betonung der dezentralisierten und fahrbaren (mobilen) Familienbildungsarbeit
  • eine Erweiterung der Aufgabengebiete um ehevorbereitende und ehebegleitende Bildung
  • die Erweiterung des Teilnehmerkreises auf die ganze Familie
Weiterhin wird in der Namensänderung deutlich, daß die Arbeitsgemeinschaft nicht nur Familienbildungsstätten aufnimmt, sondern Einrichtungen, die Familienbildung betreiben. (Schymroch, Hildegard, 1989, S. 108f.)
 
   
In der Zweckbeschreibung werden Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft formuliert, die eine Vernetzungs- und Qualifizierungstendenz erkennen lassen.

Der Zweck des Vereins und damit Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft ist:
  1. Förderung der Zusammenarbeit und Austausch von Anregungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Familienbildung
  2. Vertretung gemeinsamer Interessen
  3. Weiterbildung der Fachkräfte in den familienpädagogischen Einrichtungen
In einer Broschüre der Arbeitsgemeinschaft von 1974 wird das Aufgabengebiet erweitert um:
  1. Zusammenarbeit mit anderen Erziehungsträgern
  2. Öffentlichkeitsarbeit
… Der "Informationsdienst Familienbildung" informiert über einschlägige Themen der Familienbildung und über familienpolitische Geschehnisse in Form von Informationen, Beiträgen und Stellungnahmen. Die Reihe "Beiträge und Materialien zur Eltern- und Familienbildung" erscheint seit 1982 und dokumentiert Jahrestagungen und arbeitet speziellere Themen auf.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 109f.)
Vernetzungs- und Qualifizierungs-
tendenz















Informationsdienst Familienbildung

Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten e.V." (BAG) ist in den 50er Jahren als "Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Mütterschulen" erstmals gegründet worden. Aus der "Evangelischen Frauenarbeit Deutschland" entstand 1954 die "Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Mütterschulen". Sie diente dem Erfahrungsaustausch über evangelische Mütterschulung.


Bundesarbeits-
gemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten e.V.
Die Mütterschularbeit stellt ein Teilgebiet der Frauenarbeit dar; dieses Verständnis liegt heute noch der BAG zugrunde.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 112f.)
 

Der Name "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Mütterschulen" wird 1965 in der Satzung festgeschrieben. In ihr werden auch Zweck und Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft ausführlicher und differenzierter als in älteren Ordnungen beschrieben:

 
  1. die Arbeit der evangelischen Mütterschulen zu unterstützen und Anregungen zur Förderung der Arbeit zu geben, insbesondere auf den Gebieten der Mütter-, Eltern- und Erwachsenenbildung und auch für die Vorbereitung der Jugendlichen auf Ehe und Familie
  2. Arbeitsrichtlinien und Lehrplanrichtlinien zu erarbeiten
  3. Fortbildungslehrgänge und Fachtagungen durchzuführen
  4. Die Aufgabenbereiche der Träger und der Leiterinnen der Mütterschulen in Grundlinien abzustimmen
  5. Verbindungen zu Einrichtungen und Organisationen auf Bundesebene aufzunehmen und zu pflegen, die eine gleiche oder ähnliche Arbeit leisten
  6. Die Arbeit der evangelischen Mütterschulen auf Bundesebene zu vertreten, und zwar in enger Verbindung mit dem Diakonischen Werk – Innere Mission und Hilfswerk – und der evangelischen Frauenarbeit in Deutschland
(Satzung 1965. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 113)
 

1971 erfolgt die Namensänderung, die bis heute gültig ist; "Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten".
Mit der Umbenennung erfolgt auch die Begriffsveränderung von "Elternbildung" in "Familienbildung", da "… der Name 'Elternbildung', … lediglich einen Teilbereich, nämlich den Erziehungsaspekt, bezeichnet."
(Liselotte Nold. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 114)

Die Aufgaben der BAG bleiben die, die 1965 verabschiedet wurden. 1979 erfolgen vier Ergänzungen in Ausrichtung Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung.










Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung
  • Evangelische Familienbildungsarbeit auf Bundesebene öffentlich zu vertreten und mit Organisationen vergleichbarer Arbeitsfelder zusammenzuarbeiten
  • An Konzepten und Zielen evangelischer Familienbildung, insbesondere deren Weiterentwicklung zu arbeiten
  • Die Arbeit der Familien-Bildungsstätten durch wechselseitige Kontakte und Informationen sowie deren Auswertung zu fördern
  • Fortbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter in der Familienbildung durchzuführen
(Satzung 1979. In: Schymroch, Hildegard, 1989, S. 115)
 

Seit 1969 gibt die BAG ein Informationsblatt heraus, was in der ersten Zeit
  • Literaturhinweise und -besprechungen
  • Fortbildungslehrgänge
  • politische und bildungspolitische Maßnahmen, soweit sie Mütter- und Familienbildungsstätten berühren
beinhaltet.
Ab 1970 treten Praxisberichte einzelner Mütterschulen hervor.
Ab 1976 erscheinen die bag-informationen in neuer Form und Ausrichtung und in redaktioneller Verantwortung von Klaus Schäfer. … Neben der internen Information für die eigenen Mitglieder ist die Öffentlichkeitsarbeit wesentlicher Bestandteil geworden.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 116)

 

Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten" (BAGKFBS) geht aus der "Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Mütterschulen", zuvor "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der katholischen Mütterschulen" (gegründet 1956) hervor. Diese war ein Zusammenschluss aus:
  • Zentralverband der katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften Deutschlands
  • Katholischer Frauenbund
  • Bund der Deutschen Katholischen Frauenjugend
  • Deutscher Caritasverband
  • Katholischer Mädchenschutzverband


Bundesarbeits-
gemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten
Es sind die katholischen Verbände, die auf lokaler Ebene auch Träger der ersten katholischen Mütterschule in Köln sind.
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 117)
 

1970 erfolgt die bis heute gültige Namensänderung in "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten". Mit der erneuten Namensänderung wurde die "Richtlinie für die Arbeit in katholischen Familienbildungsstätten – Mütterschulen" verabschiedet, die die Frauenbildung als Schwerpunkt der Familienbildungsstätten beschreibt.
Die BAGKFBS achtet darauf, dass die Familienbildungsstätten ein ausgewogenes Programm, hinsichtlich
  • familienpädagogischer
  • religiöser
  • gesellschaftlicher
  • familienpflegerischer und
  • hauswirtschaftlicher
Bildung anbieten.






Frauenbildung als Schwerpunkt der Familienbildungsstätten
Die Satzung von 1973 legt folgende Aufgaben der Bundesarbeitsgemeinschaft fest:
  1. Die Erarbeitung und ständige Reflexion der Ziele und Grundlagen der katholischen Familienbildungsstätten,
  2. die Planung und den Ausbau katholischer Familienbildungsstätten zu fördern,
  3. die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen und die Bereitstellung von Arbeitsmitteln,
  4. die berufsbezogene Weiterbildung der Mitarbeiter der Familienbildungsstätten,
  5. die Vertretung der katholischen Familienbildungsstätten gegenüber kirchlichen und staatlichen Stellen auf Bundesebene unter Beachtung der Eigenständigkeit der Mitglieder,
  6. Zusammenarbeit mit Organisationen der Erwachsenenbildung auf Bundesebene,
  7. Öffentlichkeitsarbeit für die katholischen Familienbildungsstätten.
Die Aufgaben sind unverändert in der Satzung von 1984 wiederzufinden. Aus § 3 dieser Satzung geht deutlich hervor, daß die Familienbildungsstätten sich als Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt Familienbildung verstehen. …
(Schymroch, Hildegard, 1989, S. 119)


















Erwachsenenbildung

Zum Weiterlesen:
Die Rolle der Familienbildung - vom Rückblick zum Ausblick: Vortrag von Heribert Rollik, Fachtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DRK Landesverband Sachsen-Anhalt, Mai 2007

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